Herpes

Herpes

Die schlechte Nachricht am besten gleich vorweg: wen der Herpes-Virus einmal heimgesucht hat, der wird sich für den Rest seines Lebens in ungleichen, aber sicher wiederkehrenden Abständen damit befassen müssen. Herpes-simplex-Viren sind in der Bevölkerung sehr häufig vorkommend und weltweit verbreitet. Der Mensch ist hierbei der einzige natürliche Wirt. Hauptsächlich überträgt sich der Herpes-simplex-Virus 1 über den Speichel oder über eine Schmierinfektion. Darum ist eine Ansteckung schon im Säuglingsalter möglich. Die gute Nachricht: ist denn auch kein Kraut gewachsen, das einen Rückfall verhindert, so steht den Betroffenen doch heutzutage eine Vielzahl an Medikamenten aus der Schulmedizin oder auch der alternativen Medizin zur Verfügung, die den Verlauf wenigstens lindern können.



Die Begrifflichkeit „Herpes“ kommt aus dem Griechischen und leitet sich vom Verb „kriechen“ ab, was die kriechende Ausbreitung des Virus beschreibt. Die Medizin unterscheidet 2 Herpesarten: zum einen kennt sie den Herpes-simplex-Virus 1 (kurz und im weiteren Text: HSV-1 genannt) und zum anderen den Herpes-simplex-Virus 2 (HSV-2 genannt). Die Krankheitsbilder ähneln sich, unterschieden wird hierbei vor allem im lokalen Auftreten: HSV-1 verursacht den überwiegend vorkommenden Herpessimplex labialis (Lippenherpes), HSV-2 wir für den Genitalherpes verantwortlich gemacht, medizinisch unter Herpes simplex genitalis bekannt. Auch Neugeborene können bereits von einem Virus befallen sein, vor allem dann, wenn die Mutter den Träger unbekannterweise in sich trug und ihn während der Geburt übertrug; man spricht dann vom Herpes neonatorum. Diese Herpesform kommt zum Glück eher selten und auch nur bei Patienten mit einer Immundefizienz, also einem extrem schwachen Immunsystem vor, verläuft aber schwer.
Es ist sehr gut möglich, Träger des Virus zu sein, ohne selber Betroffener zu sein. Dieser Fall trifft auf Menschen zu, deren Immunsystem besonders stark ist und die darum viele Antikörper gegen das Virus haben, das sich deswegen nicht ausbreiten kann. Dennoch können diese Träger das Virus weitergeben – und zwar genau dann, wenn sich das Virus beim Virusträger gerade reaktiviert und sich in Epithelzellen (Ein – oder mehrlagige Zellschichten) erneut vermehrt! Dies trifft insbesondere auf HSV-2 zu! Hat sich der Virus (auch symptomlos) im Verlauf der Erstinfektion im Träger eingenistet, verbleibt er lebenslang in einem Ruhemodus im Organismus seines Wirts. Man nennt dies „persistierende Infektion“. Der Erreger nistet sich dann in den Nervenknoten, den so genannten Ganglien, ein und verbleibt dort, bis ein geeigneter Zeitpunkt zum Ausbrechen gekommen ist. Stress, vor allem emotionaler, Ekel, zu viel UV-Strahlung (im Schnee oder am Meer) können dann die Auslöser sein. Fast jeder Erwachsene, nämlich fast 90%, hatte schon einmal Kontakt mit dem HSV-1. Dagegen hatten 20-30% (ca.) bereits Kontakt mit dem HSV-2.

Die Infektion verläuft beim HSV-1 über die Schleimhautzellen des Mund – und Rachenraumens, beim HSV-2 findet die Infektion über die Schleimhautzellen des Genitaltraktes statt. Der Virus siedelt sich am Übergang von Schleimhaut zu normaler Haut an und befällt die dortigen Epithelzellen, in welchen er sich fortan vermehrt. Dabei werden die intakten Wirtszellen zerstört und weitere Viruspartikel gebildet. Dies führt zu Entzündungsreaktionen und damit zur Sichtbarkeit des Virus: in Form von den sogenannten Herpesbläschen kann nun auch äußerlich erkannt werden, was innerlich schon lange gärte. In den Bläschen befindet sich eine entzündliche Flüssigkeit, ein so genanntes Exsudat. Aufgrund dieser Flüssigkeit ist dringend davon abzuraten, die Bläschen selber zu behandeln. In den allermeisten Fällen befinden sich die Bläschen in der Mundgegend zwischen Haut – und Lippenrot oder in den Mundwinkeln. Warum sich der Virus ausgerechnet hier zeigt, ist schnell erklärt: an diesen Stellen befinden sich die meisten sensorischen Nervenenden und die Epithelschichten, die für die Vermehrung des Virus besonders günstig sind, liegen hier offen. Vermieden werden kann ein Ausbruch genau genommen nicht. Es gibt aber einige Faktoren, die zwar teilweise wissenschaftlich nicht belegt sind, denen man aber wenigstens nachsagt, dass sie den Verlauf etwas abmildern können.

Zunächst einmal ist für die Vermeidung aller Krankheiten und Anfälligkeiten ein starkes Immunsystem die Basis. Das ist auch beim Herpes-Virus so. Eine gesunde Lebensweise, die sich aus gesunder und ausgewogener Ernährung und einem gewissen Maß an Bewegung und ausreichend Schlaf zusammensetzt, ist eine gute Grundlage, gar nicht erst befallen zu werden oder den Virus, hat man ihn unerkannt im Körper, am Ausbrechen zu hindern. Der Aminosäure Lysin wird nachgesagt, sie habe eine positive Wirkung auf das Virus: sie verringert dessen Wachstum. Gesichert ist die Aussagekraft entsprechender klinischer Studien nicht, aber es gibt eindeutige Hinweise darauf, dass lysinreiche Kost die Häufigkeit und die Dauer und Schwere der Erkrankung positiv beeinflussen. Lysin findet man vor allem in Fisch, (hier besonders in Lachs), Huhn, Rind, Schaf, Schwein, in Milchprodukten (Käse, besonders „Greyerzer“), in Bohnen, Hefe und Soja. Arginin hingegen, die andere Aminosäure, die für Vieles im Körper förderlich ist, die Verbreitung von Herpesviren jedoch begünstigt, ist in Kartoffelchips enthalten, in Sesam, in Schokolade, in Kokosnüssen, Vollreis und Vollkornbrot. Ein wichtiger Faktor ist aber auch die Vermeidung unnötigen (emotionalen) Stresses. Ein gutes Stressmanagement kann hier Wunder bewirken. Natürlich ist dies leichter gesagt, als getan, aber innere Gelassenheit kann einen Ausbruch verzögern oder wenigstens nicht noch begünstigen. Es ist also sinnvoll, sich Stressvermeidungstaktiken anzueignen. Dazu sollte auf den Konsum von Genussgiften, wie zum Beispiel Koffein, Nikotin, Alkohol und Zucker weitgehend verzichtet werden – sie alle stimulieren das Nervensystem und machen es stressanfällig. Stattdessen sollten Sie stresskompensierende Sportarten, wie beispielsweise Yoga oder Tai Chi ausüben, um Ihr inneres Gleichgewicht zurückzuerlangen. Aber auch klassische Sportarten wie Tennis, Squash oder Joggen eignen sich zum Stressabbau.

Die Übertragung als solche kann durch simples Unterlassen vermieden werden: HSV-1 überträgt sich weitaus schwieriger, wenn der Infizierte auf Hautkontakte wie Küssen etc. verzichtet, insbesondere dann, wenn der Herpes gerade „blüht“. Auch das Benutzen eines gemeinsamen Glases oder gar der gemeinsamen Zahnbürste sollte tunlichst vermieden werden. Müttern, die kurz nach der Entbindung aufgrund ihrer hohen emotionalen Belastung unter einem Ausbruch zu leiden haben, wird empfohlen, einen Mundschutz zu tragen, um das Neugeborene nicht zu infizieren. Bezogen auf HSV-2, muss deutlich erwähnt werden, dass eine hohe Vermeidungswahrscheinlichkeit in der Verwendung sinnvoller Verhütungsmethoden (sprich: Kondome) liegt. Doch auch eine Übertragung während der Ausübung des Oralsex ist natürlich möglich. Ist der Virus ausgebrochen, helfen insbesondere Mittel, die auf den Virusstatika Aciclovir und Penciclovir basieren und zumeist rezeptfrei in der Apotheke erhältlich sind. Beide Präparate gibt es in Creme – und in Tablettenform. Auch ergänzende Pflaster seien hier erwähnt. Sie sind wirkstofffrei und bilden über dem Bläschen ein Feuchtigkeitspolster. Sie verhindern so vor allem die Verbreitung durch Schmierinfektion.

Bei heftigem oder auch zu lang anhaltendem Befall sollte jedoch unbedingt en Facharzt aufgesucht werden. Die normale Dauer eines Rückfalls beträgt 7-10 Tage. Der Herpes klingt vollständig ab und hinterlässt keine Narben. Vom übermäßigen Gebrauch von alten Hausmitteln wird heutzutage nachhaltig abgeraten! Zum Einen gibt es neuere Erkenntnisse, zum Anderen sind die Umweltbedingungen einfach nicht so, dass Produkte, wie etwa (handelsüblicher Frühstücks-)Honig unbelastet seien. Häufig sind diese keimbelastet und somit sehr kontraproduktiv. Lediglich der Melisse in einem speziellen Lippenstift mit hohem Lichtschutzfaktor verarbeitet kann an dieser Stelle noch etwas abgewonnen werden, da diese ein Wiederaufflammen verhindern könne. Im Gegenteil lösen viele Hausmittel zusätzliche Hautirritationen aus. Außerdem spielt während der Behandlung die Hygiene eine übergeordnete Rolle. Regelmäßiges und gründliches Händewaschen, sowie das Waschen von gebrauchten Handtüchern und Waschlappen bei 60 Grad sollten Pflicht sein. Grundsätzliche aber gilt: bei der kleinsten Unsicherheit den Facharzt aufsuchen!



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