Pigmentstörung

Pigmentstörungen

Die gute Nachricht zuerst: eine Pigmentstörung ist per se weder ansteckend noch lebensbedrohlich. Dennoch ist sie nicht behandelbar. Allein die Tatsache, dass manche Formen einer Pigmentstörung schwer verdeckbar sind, bewirkt bei manchem Patienten eine seelisch schlechte Verfassung – die allerdings ist behandelbar! Üblicherweise versteht man unter einer Pigmentstörung die so genannte Weißfleckenkrankheit. Sie kommt auf der ganzen Welt bei etwa 0,5 bis 2% der Bevölkerung vor. In der weißen Bevölkerung kommt auf 20.000 Einwohner etwa ein Mensch mit Albinismus. Wie die (meist harmlose) Pigmentstörung verläuft, ist von der Ursache und der Ausprägung abhängig. Gesichert ist, dass die Weißfleckenkrankheit lebenslang langsam fortschreitet, während Albinismus, da genetisch bedingt, bestehen bleibt. Eher selten kommt es zu einer Rückbildung der Pigmentstörung (Rückpigmentierung).
Man unterscheidet unterschiedliche Formen der Pigmentstörung – therapiert werden können sie genaugenommen nicht. Dies liegt auch daran, dass sowohl Krankheitsbild als Ursachen auch heutzutage noch nicht hinreichend medizinisch erschlossen sind. Man weiß aber, dass sich psychotherapeutische Behandlungen als sinnvoll erwiesen haben und Patienten, die besonders stark betroffen waren, wieder zu mehr Selbstbewusstsein verholfen haben. Pigmentstörungen, die für den Betroffenen keinerlei Belastung darstellen und deswegen nicht behandelt werden müssen – auch, weil sie oftmals im Alter wieder verschwinden, sind zum Beispiel Sommersprossen: sie werden häufig im infantilen Alter erworben, mit zunehmendem Alter jedoch verblassen sie mehr und mehr. Sie können mehr oder weniger kommen und gehen, sehr häufig bilden sie sich, zumindest teilweise, im Erwachsenenalter von allein zurück. Dagegen bilden sich Altersflecken erst ab einem Alter von etwa 40 Jahren. Auslöser für eine Pigmentstörung können erbliche Faktoren sein, aber auch mechanische Reize (Reibung), thermische Belastungen (große Hitze/Kälte), Medikamente, Kosmetika, Verhütungsmittel wie die Antibabypille, die Hormonschwankungen beeinflussen, aber auch Stress.



Der Begriff „Pigment“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie „Farbe, Farbstoff“. Die Pigmente sind also für die natürliche Färbung der Haut verantwortlich – bei einer Störung der Pigmente wird diese Färbung verändert. Unsere Haut besteht bekanntermaßen aus vielen Schichten und ist insgesamt das größte Organ, das unser Körper hat. Die Oberschicht nennt man Epidermis. In ihr befinden sich bestimmte Zellen, die für die Pigmentbildung verantwortlich sind: Melanozyten. Angeregt durch die Sonneneinstrahlung sorgen sie für die individuelle Einfärbung unserer Haut, indem sie Melanin produzieren. Das Melanin verhindert, dass schädliches UV-Licht in tiefere Hautschichten eindringt. Liegt eine Pigmentstörung vor, ist die Bildung der Hautpigmente örtlich oder auch flächendeckend gestört, sodass es an den jeweiligen Stellen zu einer Farbveränderung der Haut kommt. Bei einer Störung gibt es entweder einen Melanin-Überschuss (Hypermelanose) oder einen Melanin-Mangel (Hypomelanose). Einen Melaninüberschuss erkennt man an stärker als normal eingefärbten Hautpartien, zum Beispiel Sommersprossen, Leberflecken. Vorsicht: bei entzündlicher Hyperpigmentierung können Schuppenflechten die Folge sein! Darum sollten Betroffene zu ausgiebige Sonnenbäder meiden, um einen auslösenden Faktor (Sonnenbrand) auszuschließen. Beim Melanin-Mangel ist die Haut schwächer als normal gefärbt. Der Melaningehalt der Haut ist vermindert. Bei einer De-Pigmentierung fehlt das Melanin vollkommen – die Haut ist ungewöhnlich hell, fast weißlich. Man spricht hierbei von Albinismus, einer angeborenen Störung, durch die sich keine Melanozyten in der Haut bilden können. Menschen, die von Albinismus betroffen sind, weisen neben der Haut auch andere Symptome auf: Augen und Haar sind ebenfalls heller. Die Symptomatik des Albinismus bleibt ein Leben lang erhalten, da diese Krankheit genetisch festgelegt ist.
Betroffene einer Depigmentierung haben eine Haut, die nicht genügend pigmentbildende Zellen (Melanozyten) hat, weswegen UV-Licht ungefiltert in tiefere Hautschichten vordringen kann. Das Nicht-Vorhandensein von Melanozyten kann aber auch daher rühren, dass diese zerstört wurden, beispielsweise, wenn die Haut über längere Zeiträume großen Extremtemperaturen wie Kälte oder Hitze ausgesetzt war. Auch Röntgenstrahlen, giftige Substanzen oder Entzündungen können eine Depigmentierung begünstigen.
Ein anderer Grund kann die gestörte Weitergabe das Melanonins durch die Melanozyten an die hornbildenden Zellen der Haut sein. Hierfür können Entzündungen, wie beispielsweise eine Neurodermitis oder eine Schuppenflechte der Grund sein.
Mit der Hypopigmentierung oder der Depigmentierung geht auch die so genannte Weißfleckenkrankheit (Vitiligo) einher. Bei ihr beruht die Pigmentstörung auf einer Zerstörung von Melanozyten (vermutlich durch Autoimmunprozesse). Sie ist eine recht häufig vorkommende Pigmentstörung. Erkennbar ist die Weißfleckenkrankheit an scharf begrenzten Flecken auf der Haut, die völlig depigmentiert sind. Diese Pigmentstörung tritt besonders im Gesicht sowie an Hals, Handrücken, Nabel, Ellenbogen, Knie und im Genitalbereich auf. In seltenen Fällen betreffen die Symptome der Pigmentstörung fast die gesamte Hautoberfläche. Die Weißfleckenkrankheit zeigt im Gegensatz zum Albinismus eher einen fortschreitenden Verlauf: Die Flecken werden zahlreicher und größer und können zu großflächigen Herden verschmelzen. In seltenen Fällen wird davon berichtet, dass sich die Symptome spontan zurückbilden (Repigmentierung). Die Diagnose, ob eine Pigmentstörung oder nicht vorliegt, kann man in den meisten aller Fälle selber stellen und dann durch regelmäßiges Beobachten sicherstellen, welcher Art die Störung ist. Im Zweifel kann und sollte natürlich immer ein Facharzt hinzugezogen werden, der die Diagnose beispielsweise mittels einer Biopsie (Gewebeprobe) untermauen kann. Eine mögliche Therapie gibt es wie schon erwähnt nicht. Jedoch sollten sich Menschen, die von einer Depigmentierung betroffen sind, vor allzu viel UV-Licht schützen und längere direkte Sonneneinstrahlung vermeiden. Von Solariumbesuchen ist unbedingt abzuraten! Bei einer Pigmentstörung in Form einer Hypopigmentierung oder Depigmentierung kann zur Therapie auch eine Bestrahlung zum Einsatz kommen: Hierbei bestrahlt man einzelne von der Pigmentstörung betroffene Hautflächen gezielt mit bestimmtem Licht, um die Färbung durch Pigmente wiederherzustellen (Repigmentierung). Diese Behandlung erfolgt über mehrere Monate hinweg und kommt oft im Rahmen der Weißfleckenkrankheit (Vitiligo) zum Einsatz. Bei Albinismus ist diese Behandlung allerdings nicht zu empfehlen.
Davon abgesehen stehen natürlich einige Kosmetikprodukte zur Auswahl, exemplarisch seien hier hautaufhellende Mittel oder auch Selbstbräuner genannt. Aber: auch bei Verwendung dieser Produkte muss die Haut anschließend in der Sonne zusätzlich geschützt werden, denn sie bieten keinerlei Schutz vor UV-Licht.


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