Schuppenflechte

Schuppenflechte (Psoriasis)

Über die Hautkrankheit „Schuppenflechte“ ist nicht viel Positives zu sagen, außer: sie ist definitiv nicht ansteckend. Diese chronisch-entzündliche Hautkrankheit kann auch Nägel und Gelenke befallen. In Nordeuropa sind etwas mehr als 3% von Psoriasis betroffen. Da eine Übertragung über die klassische Ansteckung ausgeschlossen werden kann, gilt eine genetische Veranlagung als ursächlich. Das Tückische hierbei: Die Krankheit muss nicht zwingend auch ausbrechen, nur, weil im Körper die Veranlagung dazu schlummert! Es ist demnach durchaus möglich, dass die Krankheit nie beim Kind ausbricht, obwohl beide Elternteile unter der Psoriasis leiden; im umgekehrten Fall können zwar das Kind, aber nicht zwingend auch die Eltern betroffen sein. Es wird angenommen, dass die männlichen Gene das Hauterbgut übertragen. Man unterscheidet unter zwei grossen Gruppierungen:

Typ-1-Psoriasis bezeichnet die Schuppenflechte, die bereits vor dem 40. Lebensjahr erstmalig auftritt,  mit Typ-2-Psoriasis wird diejenige Flechte beschrieben, die im fünften oder sechsten Lebensjahrzehnt ausbricht. Im Kindesalter bricht sie fast nie aus. Hier hat man häufiger mit Fällen von Neurodermitis zu tun.

Psoriasis verläuft in der Regel chronisch in wiederkehrenden Schüben, die unterschiedlich stark sein können. Sie kann nach dem heutigen Kenntnisstand nicht geheilt, aber therapiert werden.

Symptomatisch für eine Schuppenflechte sind entzündlich gerötete Hautgebiete mit silbrig-weißen Schuppen, die einen starken Juckreiz verursachen. Die gewöhnliche Schuppenflechte (Psoriasis vulgaria) zeichnet sich dadurch aus, sich besonders schnell und unkontrolliert zu verbreiten. Zum Vergleich: normalerweise benötigt gesunde Haut etwa 28 Tage, um sich zu erneuern, an Schuppenflechte erkrankte Haut benötigt hierfür nur etwa 3 bis zehn Tage! Zu diesem Tempo kommt es, weil die Zellen der Epidermis (also der oberen Hautschicht) ca. 7 x schneller an die Hautoberfläche gelangen, als dies normalerweise der Fall wäre. Hierdurch kommt es zu den silbrig-weiß glänzenden Schuppen. Die darunter liegende Haut ist entzündlich und stark durchblutet.

Besonders betroffene Körperregionen sind diejenigen, die besonderen Belastungen ausgesetzt sind, zum Beispiel Ellenbogen und Schienenbeine, aber auch die Kopfhaut, Gesäß, Brust, Rücken können betroffen sein. Berichtet wurde auch vom Befall an Augenbrauen, Bauchnabel, Anus (Gesäßfalte) oder Geschlechtsteile. Vereinzelt ist auch der gesamte Körper betroffen (schwerer Verlauf).

In Anlehnung an eine Landkarte bezeichnet man eine Form der Schuppenflechte Psoriasis geographica, was das großflächige Zusammenwachsen der Herde beschreibt. Psoriasis punctata hingegen erinnert im Erscheinungsbild eher an große Streichholzköpfe und wird überwiegend am Rumpf vorgefunden.

In vielen Fällen ist nicht nur die Haut, sondern sind auch die Fingernägel betroffen; man erkennt dies an kleinen, runden Vertiefungen oder gelblich-bräunlichen Verfärbungen.

Neben der  gewöhnlichen Schuppenflechte gibt es noch weitere Sonderformen: etwa ein Fünftel der Schuppenflechte-Patienten ist auch von Arthritis betroffen, der so genannten Psoriasis-Arthritis. Zusätzlich zur Haut sind also hierbei auch noch (kleinere) Gelenke befallen. Dies äußert sich meist in Schwellungen der Finger oder der Zehen, welche sehr schmerzhaft sind. Eine weitere Verlaufsform befällt größere Gelenke, wie das Knie. Eine wiederum andere ist an der Wirbelsäule vorzufinden.

Das größte Problem ist hierbei, dass die Patienten lange beschwerdefrei sind, obwohl die Gelenke schon stark geschädigt sein können. Dies hat zur Folge, dass auch hier kein heilender Eingriff mehr möglich ist.

Psoriasis pustolosa ist an ihren Pusteln zu erkennen, die Handinnenflächen und Fußsohlen aufweisen. Folglich haben diese Patienten Schmerzen bei der Fortbewegung und der Arbeit. Oft kommen noch Fieber und Abgeschlagenheit hinzu. Letzteres betrifft besonders Patienten, deren komplette Haut betroffen ist (also derzeit weniger als 5 %).

Die Diagnose stellt der Arzt, der immer hinzugezogen werden sollte, nach einer gründlichen Untersuchung. Dabei helfen ihm typische Muster der Schuppenflechte: kratzt er eine Schuppe der Flechte von der Haut ab, verbleibt typischerweise darunter ein so genanntes „letztes Häutchen“; löst er auch dieses ab, so blutet die Stelle leicht punktförmig („blutiger Tau“ oder auch „Auspitz-Phänomen“). Andere Hautkrankheiten werden mittels der Entnahme von Gewebeproben ausgeschlossen. Sollte eine Psoriasis-Arthritis vorliegen, belegt dies ein Röntgenbild.

Die Therapie erfolgt klassischerweise durch die Verwendung von Cremes, Salben, Lotionen und Medikamenten. Um die Schuppen abzulösen, kommen Salbenverbände mit Wirkstoffen wie Salicylsäure, Harnstoff oder Milchsäure zum Einsatz.

Als entzündungshemmender und den übermäßigen Zellenwachstum hemmender Wirkstoff wird auch Dithranol angewandt – allerdings kann dieser Wirkstoff zu Hautirritationen und Verfärbungen führen, auch der Kleidung und Bettwäsche. Alternativ können darum auch von Vitamin D abgeleitete Wirkstoffe wie Calcipotriol, Tacalcitol und Calcitriol  verwendet werden, sie wirken ebenfalls entzündungshemmend. Auch Cortison findet hier eine Anwendung – allerdings muss hierbei bedacht werden, dass mit Cortison behandelte Haut an der fraglichen Stelle dünner werden kann. Davon abgesehen ist eine gute Hautpflege immer empfehlenswert – auch als Vorbeugung in beschwerdefreien Zeiten.

Bei schweren Verläufen kann die äußerliche Therapie durch die Gabe von Medikamenten ergänzt werden. Auch hier wird explizit dazu aufgefordert, einen Facharzt aufzusuchen! Er wird möglicherweise Vitamin-A-Abkömmlinge verschreiben, die das Zellwachstum normalisieren und die Abschuppung beschleunigen. Jedoch Vorsicht: Vitamin-A-Abkömmlinge  können das Ungeborene schädigen! Darum sollte diese Therapieform nicht bei Frauen im gebärfähigen Alter angewandt werden.

Des Weiteren kann eine immunsuppressive Therapie in Betracht kommen, zum Beispiel mit Methotrexat, Ciclosporin oder Fumarsäureester.

Auch Biologika können hier verwendet werden; das sind gentechnisch hergestellte Wirkstoffe, die bestimmten körpereigenen Substanzen ähneln und zumeist unter die Haut gespritzt oder als Infusion gegeben werden. Sie können die Schuppenflechte gut unterdrücken, sind aber recht teuer.

Des Weiteren empfiehlt sich die Bestrahlung mit UV-Licht – gewarnt wird aber ausdrücklich davor, einen Sonnenbrand zu provozieren!

Auch Sole-Bäder können hilfreich sein. Der hohe Salzgehalt des Wassers löst die Schuppen und die ultraviolette Strahlung bewirkt eine Normalisierung der Zellteilung. Für die Dauer der Therapie geht es den Betroffenen meistens gut, jedoch ist hierbei keinerlei Langzeitwirkung festzustellen.

Parallel dazu wurden Anfang der 80er Jahre die orale Photochemo-Therapie (orale PUVA-Behandlung) sowie die sogenannte Bade-PUVA-Therapie etabliert. Dabei wird durch einen Wirkstoff, der in Tablettenform beziehungsweise als Badezusatz zugeführt wird, die Haut lichtempfindlicher gemacht. Auch wenn diese PUVA-Therapie sehr wirksam ist, führt sie dosisabhängig langfristig zu einer vermehrten Hautkrebsgefahr.

Für kleinere Psoriasis-Herde, wie beispielsweise am Ellenbogen oder Knie empfiehlt sich die Lasertherapie. Fairerweise muss aber erwähnt werden, dass diese Form der Therapie sehr kostspielig und aufwändig ist.

Neben den schulmedizinischen Behandlungsmethoden gibt es auch Angebote aus dem homöopathischen Bereich, deren Wirkung aber nicht hinreichend dokumentiert ist.

Man kann möglicherweise nicht verhindern, dass die Schuppenflechte ausbricht, wenn man die notwendigen Erbanlagen in sich trägt, aber man kann vorbeugen! Dazu trägt in erster Linie eine gesunde, ausgewogene Ernährung zur Verhinderung von Übergewicht bei, Verminderung von Stress, wenig bis seltener Alkoholgenuss und Nikotinverzicht. Menschen mit einem starken Immunsystem und einer guten körperlichen und seelischen Verfassung gelten als weniger anfällig für Schuppenflechten-Schübe. Schon 15 Zigaretten täglich erhöhen dieses Risiko auf das Dreifache! Gleiches gilt auch für erhöhten Alkoholkonsum. Eine spezielle Ernährungsform gibt es nicht – Übergewicht ist aber unbedingt zu vermeiden! Da nicht wenige Patienten einer Psoriasis aufgrund ihres Erscheinungsbildes und der damit zusammenhängenden gesellschaftlichen (unbegründeten) Ausgrenzung gleichzeitig auch massive seelische Probleme und nicht selten daraus erwachsene Depressionen haben, ist dies umso wichtiger, denn die Gefahr, das Übergewicht als die Schuppenflechte begleitende Krankheit hinzuzubekommen, ist durchaus gegeben. Und somit auch ein erhöhtes Risiko für eine Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) und Bluthochdruck. Auch Darmerkrankungen können durch eine gesunde Ernährung vermieden werden.

Vereinzelt wird darüber diskutiert, ob es sinnvoll ist, die Mandeln vorsorglich entfernen zu lassen, da eine Mandelentzündung mit Steptokokken unter anderem als Auslöser aufgeführt wird. Hierzu gibt es keine allgemeingültige Aussage. Bei bestimmten Schuppenflechte-Patienten mit frühem Beginn der Krankheit und positiver Familienanamnese sowie nachgewiesener Streptokokkeninfektion kann eine Entfernung der Mandeln aber sinnvoll sein.

Ob ein Auslöser tatsächlich ein Auslöser der Flechte war oder evtl. doch die Folge (zum Beispiel bei übermäßigem Nikotinkonsum), ist aber nicht durchgängig gesichert! Hier finden Sie die wichtigsten möglichen Auslöser einer Schuppenflechte noch einmal auf einen Blick:

  • Infektionen (zum Beispiel mit Streptokokken, wie Mandelentzündungen im Kinder- und Jugendalter, Mittelohrentzündung, …)
  • Verletzungen, Tätowierungen, Sonnenbrand, heftiges Kratzen, anhaltende mechanische Hautreizungen (zum Beispiel durch eng anliegende Kleidung, Gürtel, BH)
  • Stoffwechselstörungen und Hormonschwankungen (beispielsweise während einer Schwangerschaft
  • Bestimmte Medikamente (zum Beispiel Betablocker, Lithiumsalze, Interferone, Chloroquin und bestimmte nichtsteroidale Antirheumatika, wie beispielsweise Indometacin)
  • Seelischer Stress (etwa familiäre, soziale, berufliche Situation)
  • Alkoholkonsum und Rauchen
  • Übergewicht
  • Klimatische Einflüsse

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